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Havel, Kim und was man daraus lernt
mueller_moskau

Das offizielle Russland überschlägt sich gerade darin Nordkorea sein Beileid auszudrücken. Nicht nur die Politik sondern sogar die  - staatsnahe - orthodoxe Kirche hat erklärt sie bedaure den Tod von Kim Jong-Il. Er sei ein Freund der Orthodoxie gewesen, an den man sich mit Dankbarkeit erinnere. Dass die Orthodoxie dem Führer eines aggressiv atheistischen Systems dankt ist schon einmal interessant.
http://www.interfax-religion.ru/?act=news&div=43486

Auch die Staatsführung hat gegenüber Nordkorea ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht. Kein Wort haben Putin und Medvedev hingegen zum Tod von Vaclav Havel verloren. Während die ganze Welt sich an einen großen Staatsmann erinnert tut das offizielle Russland so als sei nichts weiter passiert.
http://www.newsru.com/russia/19dec2011/gavel.html



Für dieses Schweigen gibt es eine Reihe von Gründen: Havel gilt als führender Vertreter einer anti-sowjetischen Politik, die zum Ende der Russischen Dominanz in Osteuropa geführt hat. Für die jetzige Führung die meint, der Zerfall der Sowjetunion sie die größte Katastrophe des 20, Jahrhunderts gewesen, kann er daher natürlich nur ein Feind sein. Nachgetragen wird Havel wohl auch, dass er die Feierlichkeiten zur Ost-Erweiterung der NATO in Prag ausgerichtet hat. Auch das sagt etwas darüber aus, wie die russische Führung sich und ihr Land sieht.

Havels Leitsatz war, dass Wahrheit und Liebe über Lüge und Hass siegen werden. Es sei daher keine Frage, dass Putin und Medwedew ihn ablehnen müssten, meinte gestern einer meiner russischen Bekannten. Die Frage sei nur, wer von den beiden die Lüge und wer den Hass verkörpere. Diplomatische Gesten wie das Ausdrücken oder Nicht-Ausdrücken von Beileid können über ein Land und eine politische Führung sehr viel aussagen.


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